Unsicherheit , Ängstlichkeit, Hilfloser Hund – Schuld durch den Halter ?!?

Die Familie ist überglücklich, wenn endlich der heißersehnte Welpen einziehen darf – so lange hat man auf diesen Tag gewartet. Endliche ist der Welpe im idealen Abgabealter und darf mit nach Hause genommen werden

Die Hundewelpen werden auf Schritt und Tritt begleitet und bei jeder Bewegung, stolpern oder ungeschickten Handlung lachend kommentiert.

Der Beschützerinstinkt des Menschen läuft auf Hochtouren und so wird dem Welpen sofort geholfen wenn dieser Probleme hat, sollten diese auch noch so gering sein, sein Mensch ist sofort da und greift beschützend ein.

Wir Menschen lieben unser neues Familienmitglied und wollen natürlich das dem süßen Fratz nichts passiert und er sich wohl fühlt.

Bemüht wird der Fellnase alles aus dem Weg geräumt und dafür gesorgt, dass nichts fehlt.

Wir sind „gute Hundeeltern“

Was bewirkt dieses überbehütete Verhalten beim Welpen:

Die Hundewelpen werden auf Schritt und Tritt begleitet und bei jeder Bewegung, stolpern oder ungeschickten Handlung lachend kommentiert.

Der Welpe bemerkt, dass er seinen Menschen gefällt. Je tollpatschiger und unbeholfener er sich gibt, desto mehr Freude bereitet er seinen Menschen.

Individualist Hund registriert das und beginnt sein Verhalten zu perfektionieren. Hunde lernen schnell und setzen genau so schnell um – übrigens – später sind viele Hundehalter genau wegen diesem tollpatschigen Verhalten genervt……

Der Beschützerinstinkt des Menschen läuft auf Hochtouren und so wird dem Welpen sofort geholfen wenn dieser Probleme hat, sollten diese auch noch so gering sein, sein Mensch ist sofort da und greift beschützend ein.

Welpen lernen in ihrem jungen Leben mit Situationen umzugehen. Diese eigen erlernten Erfahrungen stärken das Selbstbewusstsein des jungen Hundes.
  1. Der Welpe fällt von der Couch, so lernt er , dass eine Couch hoch ist und er aufpassen muss
  2. Der Welpe fällt in den Teich ( jeder Welpe kann schwimmen) lernt er, dass jeder Teich ein Ufer hat und er an Land kommen kann.
  3. Versucht aus einem Korb,  Karton , Loch heraus zu klettern

Es gibt hier noch unzählige Beispiele, wichtig ist nur, dass der Welpe Erfahrungen machen darf-kann-muss, aus denen er lernen kann.

Greift hier der Mensch ständig überfürsorglich ein, wird der Hund nicht den Erfolg „selbst geschafft“ erleben.

Bleiben wir bei den oben genannten drei Beispielen.

  1. Der Welpe fällt von der Couch:
    Welpen sollten nur dort liegen oder laufen, wo sie selbst hochkommen. Besser ist es wenn der Mensch sich in der ersten Zeit auf ein Kissen am Boden setzt, oder den Welpen unten lässt. Das nur Nebenbei.
    Der Welpe ist „selbst“ auf die Couch gekommen und der Besitzer erkennt situationsbedingt den bevorstehenden Sturz.
    Schützend hält er ständig die Hand vor den Welpen, damit er sich nichts tut
    Der Welpe weiß nicht warum sein Mensch so handelt, erkennt nicht die Gefahr und macht unbedarft weiter.
    Einmal ist der Mensch nicht dabei und das Hundekind „kann“ sich weh tun. Er hat keine Information erhalten, dass die Couch auch gefährlich sein kann = negative Erfahrung.
    Besser wäre es, dem Hund ein „STOP“- oder Achtung Signal zu geben, ihn dazu zu bringen inne zu halten – bereit zu sein, den Welpen beim Fall etwas abzufangen, aber ihn fallen lassen.
    So lernt der Welpe, dass ein STOP Gefahr bedeutet und er auf seinen Menschen hören sollte = positive Erfahrung.
  2. Der Welpe fällt in den Teich:
    Bestürzt hechten die Hundehalter hin und fischen den nassen Tropf heraus. Das Tierchen hat sich erschrocken, ist pitschenass und total am zittern. Mit zutiefst bedauerndem Tonfall wird der „arme Welpe“ trocken getupft.
    Resultat= Wasser ist schrecklich, meine Menschen bestätigen das durch ihre Panik = negative Erfahrung.

    Für den Welpen die bessere Lösung:
    Welpen können schwimmen, ruhig bleiben, anspornen-„auf komm her , das machst du priiiimaaaa“. Falls keine Austiegsmöglichkeiten da sind, etwas Hilfe geben, etwas stützen. Der Welpe soll das Gefühl haben- ich habe es geschafft.
    Resultat: Wasser ist zwar doof, aber ich kann da alleine raus und werde sogar noch gelobt = positive Erfahrung

  3. Versucht aus einem Korb,  Karton , Loch heraus zu klettern
    Gerade Zwergenrassen stehen oft vor unüberwindbaren Hürden. Da kann ein Erdloch manchmal eine Herausforderung sein oder ein Hundekorb mit hoher Kante. Da zappelt der Winzling herum, wimmert und wühlt, doch es will einfach nicht so recht klappen.
    Schnell hat der Mensch seinen kleinen Zwerg heraus gehoben.
    Bei nächsten Mal versucht es das Hundekind erst gar nicht, sondern jammert gleich. Wozu auch abmühen, wenn der Mensch daneben sitzt.
    So lernt der Welpe, dass er es nicht schafft = negative Erfahrung
    Würde der Besitzer abwarten bis der Welpe nach etlichen Versuchen aufgibt und zu rufen beginnt, kann dieser vorsichtig Hilfe geben, damit der Welpe es schafft. Also nicht rausheben, sondern eine Erhöhung drunter legen, damit der Rand besser zu bewältigen ist.
    Wir sorgen dafür, dass der Welpe regelmäßig Erfolg hat = positive Erfahrung

Beschützt der Halter seinen Welpen zu sehr, schirmt ihn vor Gefahren ab, wird der Hund nicht die positiven Erfahrungen eines „Sieges“ erfahren.

Während viele Hundebesitzer beim Spiel mit ihrem Hund wissen, dass sie ihren Welpen auch einmal gewinnen lassen sollen, damit sein Selbstbewusstsein gestärkt wird – vergessen sie, dass das auch im normalen Alltag wichtig ist, damit der Hund sich selbst einzuschätzen lernt.

Ein Hundehalter sollte immer abwarten können, beobachten wie sein Hund die Situation bewältigt und wirklich nur dann eingreifen, wenn der Welpe „um Hilfe“ ruft. Sie werden staunen wie lange so ein Welpe kämpft bevor er nach „Mama“ schreit.
Manchmal fällt das dem Besitzer schwer, wenn er zusieht wie der Zwerg sich abmüht über eine Kante zu kommen, aber der Welpe braucht diese Erfahrungen, um einzuschätzen was er kann und was nicht.

Nur so wird aus dem Welpen ein selbstsicherer Hund werden, der nicht bei den kleinsten Schwierigkeiten aufgibt, verunsichert den Rückzug vorzieht oder ängstlich zurückweicht.

Jeder Welpe hat ein gewisses Paket an Selbstbewusstsein bei seiner Geburt mit bekommen, der Züchter und später der Besitzer müssen die Stärken suchen und fördern, die Schwächen erkennen und auffangen – das ist manchmal gar nicht so einfach